Jetzt ist wohl ein
vorläufiger Schlussstrich unter eine unendliche Causa gezogen worden. Arigona Zogaj und ihre Familie haben das Land
verlassen.
Dieser Fall hatte für mich immer schon einen ganz bitteren Beigeschmack. Es ging nur vordergründig um sie. Tatsächlich waren sie Werkzeug und Symbol für einen verdeckten Machtkampf zwischen verschiedenen politischen Fronten.
Die Kurzschlusshandlung (Flucht und Selbstmorddrohung) der damals 15-jährigen Arigona Ende September 2007 kam zu einem Zeitpunkt, wo die Euphorie über den ein Jahr davor noch bejubelten SPÖ-Wahlsieg wieder verflogen war und bezüglich Gusenbauer eine deutliche Ernüchterung eingetreten ist. Die politisch linke Reichshälfte wollte ein Zeichen setzen und da kam der Fall des jungen, hübschen und rehäugigen Mädchen gerade recht. Aber die Unterstützung verkam schnell zu einem außer Kontrolle geratenen medialen Zirkus. Natürlich, ihre Unterstützer haben es gut gemeint... aber leider ist gut gemeint das Gegenteil von gut getan. Die Familie wurde zum politischen Spielball und Symbol mit Präzedenzcharakter zwischen dem Lagern hochstilisiert, was in Folge eine humanitäre Lösung unmöglich machte. Ich wäre ganz sicher nicht zum Protestierer geworden, wenn sich doch noch eine Möglichkeit zum legalen Aufenthalt in Österreich gefunden hätte... aber ich kann die Ministerin verstehen. Für mich war von Anfang an klar, dass sich in diesem Machtkampf die Regierung einen Gesichtsverlust nicht leisten wird können.
Den Preis für den Machtkampf zahlte die Flüchtlingsfamilie in Form von 4 Jahre Angst, hoher Druck, Ungewissheit und Unsicherheit über ihre Zukunft ... und das alles unter permanenter medialer Beobachtung. Das ist ein verdammt hoher Preis, der möglicherweise sogar mehr geschadet als genutzt hat.
Hier ist eine arme Familie für politische Zwecke instrumentalisiert und missbraucht worden - von den Beratern, von den Medien und von
allen Parteien. Arigona, ihre Mutter und jüngeren Geschwister gehören nicht zu jenen Ausländern bei denen ich mir denke "Raus mit denen, aber schnell". Es wurde in den letzten Tagen angedeutet, dass es ein Szenario geben könnte wonach sie später wieder - aber diesmal legal - nach Österreich kommen könnten. Ich wünsche es ihnen.
PeZwo - Freitag, 16. Juli 2010, 12:35 - Kategorie:
serious
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