Wir alle ärgern uns über die rein profitorientierten Unternehmen und Manager, insbesondere über die Ölbranche. Wenn man sich über den ganz zufällig knapp vor Ostern steigenden Benzinpreis empört, werden im Internet immer wieder Aufrufe zum Boykott von bestimmten Tankstellen versendet um den Ölmultis diesen offensichtlichen Nepp heimzuzahlen. Sie beginnen immer mit den Worten "Treffen wir sie dort, wo es ihnen wehtut... beim Geld..."
Auch die Börsen entwickeln sich zum Symbol für die kalte Fratze des Kapitalismus.
Aber nichts ist ohne Vorteile.
Heute
lese ich, dass die Aktien von BP einbrechen. Ich bin ziemlich überzeugt davon, dass den BP-Managern die Umwelt ("die wird sich schon wieder erholen") recht egal ist (auch wenn man dies von ihnen nie offiziell hören wird). Aber die Sprache der Börsenkurse, die verstehen sie. Vermutlich haben auch sie es daher inzwischen auch schon geschnallt: es geht für sie und ihre Firma jetzt ums Überleben.
Der Druck auf das Unternehmen steigt gerade ins Unermessliche. Über den Live-Stream kann die ganze Welt verfolgen, wie Stunde für Stunde, Minute für Minute und Sekunde für Sekunde tausende Barrel Rohöl ins Meer strömen und die Unfähigkeit des Unternehmens dokumentiert. Die Kosten für die Reinigungsmaßnahmen werden sich in astronomischen Höhen bewegen, von Imageschaden des Unternehmens ganz zu schweigen. Die Hurricane-Saison beginnt und dies wird die Situation ganz sicher nicht erleichtern.
Aber der Unfall wird auch Auswirkungen für die ganze Branche haben.
Der ganzen Welt wird gerade die Risiken von Tiefsee-Bohrungen drastisch vor Augen geführt. In Zukunft wird es nicht nur BP sondern alle Ölfirmen viel schwerer haben neue Ölfelder zu erschließen. Ich wäre nicht sehr überrascht wenn irgendwann mal dieser Unfall als Katalysator für eine nachhaltige Änderung der Energiepolitik betrachtet werden wird.
Für die Umwelt und die Menschen im Golf von Mexico wird dies aber kein Trost sein.
PeZwo - Dienstag, 1. Juni 2010, 10:37 - Kategorie:
serious
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