Donnerstag, 21. April 2005

unser neuer Papst PAPA Ratzi

Irgendwie kam mir der neue Papst von Anfang an bekannt vor. Ich konnte nur nicht sagen, wo ich ihn schon einmal gesehen hatte.

Vorhin sah ich mir auf DVD eine Folge von "Krieg der Sterne" an und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen:

z-paparazzi



P.S. für evenuelle Papst- bzw. Religionsfans möchte ich hier sicherheitshalber dezitiert darauf hinweisen, dass dieser Beitrag natürlich unter der Rubrik FUN abgelegt ist...

Dienstag, 19. April 2005

das musikalische Prag

Gestern abend war ich in einem richtigen Jazz-Keller.

Gelegen im Zentrum mußte man zuerst in einen Hauseingang gehen, dann einige Stufen hinunter und zuguterletzt landete man in einem Keller - der genauso aussah, wie man es sich halt vorstellt.
In diesem Keller gibt es jeden Tag ein Jazz-Konzert. Ich bin kein Jazz-Fan, aber ich ging mit einem Arbeitskollegen mit und so hörte ich mir das Konzert halt an. Gleich vorweg, ich werde deswegen nicht zum Jazz-Liebhaber werden, aber dieses Konzert hatte schon etwas Besonderes. Die Musiker und das Publikum waren weitab von jedem Tourismus. Da spürte man die musikalische Ursprünglichkeit und den Jazzfanatismus der Musiker und des Publikums.

Ich habe natürlich ein Foto davon gemacht:

jazzkeller

Als das Konzert zu Ende war, ging ich durch die Altstadt heim und hörte plötzlich Gesang und Gitarrenmusik. Ich ging natürlich hin und freute mich sehr, was ich dort sah:

strassenmusiker

Mit diesem Typen verbindet mich eines meiner verrücktesten Pragerlebnisse:
Mitte Dezember war die erste Kältewelle des Winters. Es hatte ca. minus 10 Grad. Ich ließ mich aber von den Temperaturen nicht von meinem Spaziergang abhalten.
Um ca. 23h ging ich - auf meinem Weg zurück ins Hotel - in der Altstadt dahin und traute ich meinen Augen bzw. Ohren nicht mehr. Da steht doch glatt bei dieser Eiseskälte ein Straßenmusiker (eben der auf dem Foto) und spielt Weihnachtslieder.
Ich blieb stehen und hörte eine Weile zu. Dann spielte er meinen Lieblingschristmas-Song "Happy X-mas" von John Lennon. ABER, er spielte ihn mit falschen Akkorden. Dies konnte ich natürlich nicht hören und sagte dies ihm auch. Er sagte, er weiß dies, aber er kennt die richtigen Akkorde nicht und fragte, ob ich sie weiß. Ich bejahte. In der nächsten Sekunde bekam ich die Gitarre in die Hand gedrückt und los gings.

So stand ich knapp vor Weihnachten bei minus 10 Grad um 23h abend mitten in Prag auf der Straße und spielte und sang gemeinsam mit ihm Weihnachtslieder. Mittendrin wurde mir die Skurilität der Situation bewußt. Das war schon was Besonderes.

Übrigends, er erkannte mich wieder...

Sonntag, 17. April 2005

kreative Gedanken, Fragen ohne Antworten...

  • Wenn man einen Schlumpf würgt, welche Farbe bekommt er dann?
  • Wie kommen die "Rasen betreten verboten"-Schilder in die Mitte des
    Rasens?
  • Haben Analphabeten genau so viel Spaß mit einer Buchstabensuppe?
  • Als der Mensch entdeckte, dass Kühe Milch geben - was tat er dann
    gerade?
  • Wenn Chinesen auf Hochzeiten Reis werfen, werfen Mexikaner dann Kakteen?
  • Falls ein Wort falsch geschrieben im Wörterbuch steht, werden wir das
    jemals erfahren?
  • Warum "Abkürzung" so ein langes Wort ist?
  • Wie merkt man, dass unsichtbare Tinte aus ist?
  • Warum hat Noah die zwei Stechmücken nicht erschlagen?
  • Wenn Hasenpfoten Glück bringen, hat der Hase dann auch Glück gehabt?
  • Ein Butterbrot landet immer auf der Butterseite. Eine Katze landet immer
    auf den Pfoten. Was passiert, wenn man einer Katze Butter auf den Rücken
    schmiert?
  • Wenn der Mensch eine Weiterentwicklung des Affen ist, warum gibt's dann
    noch Affen?
  • Bekommen die Arbeitnehmer von Lipton auch eine Kaffeepause?
  • Warum schrumpfen Schafe nicht wenn es regnet?
  • Wenn es heute null Grad hat, und es wird morgen zwei mal so kalt, wie
    viel Grad hat es dann morgen?
  • Warum muss der Deckel von einem Sarg zugenagelt werden?
  • Was zählen Schafe, wenn sie nicht schlafen können?
  • Olivenöl kommt von Oliven, Maisöl kommt von Mais. Woher kommt Babyöl?
  • Wenn Dich ein Taxichauffeur im Rückwärtsgang nach Hause bringt, muss er dann Dir was bezahlen?
  • Wenn man mit einem Fahrzeug Lichtgeschwindigkeit fährt, was passiert,
    wenn man die Scheinwerfer einschaltet?
  • Bekommen Brandopfer Vergünstigungen in Krematorien?
  • Wenn Alleskleber wirklich an allem klebt, warum dann nicht an der
    Innenseite der Tube?
  • Warum muss man für den Besuch beim Hellseher einen Termin haben?
  • Warum besteht Zitronenlimonade größtenteils aus künstlichen Zutaten,
    während im Geschirrspülmittel richtiger Zitronensaft ist?
  • Wenn ein Schizophrener mit Selbstmord droht, kann er wegen Geiselnahme verurteilt werden?
  • Warum laufen Nasen, während Füße riechen?
  • Warum gibt es im Flugzeug Schwimmwesten statt Fallschirme?
  • Wenn schwimmen schlank macht, was machen Blauwale falsch?
  • Wenn sich das Universum immer mehr ausdehnt, warum finde ich dann keinen Parkplatz?
  • Wenn ein Flugschreiber jeden Absturz übersteht, warum wird dann nicht
    gleich das ganze Flugzeug aus diesem Material gebaut?
  • Und zuletzt: Wie weiß ein Blinder, dass er fertig ist mit Hintern
    putzen?
Vielleicht sollte ich doch wiedereinmal einen etwas ernsteren oder persönlicheren Beitrag bringen? Mal sehen, morgen in der Früh geht es wieder ab nach Prag. Da wird sich sicher ein G'schichtl oder Foto ausgehen.

Donnerstag, 14. April 2005

Brief an die Krankenversicherung (Der Flaschenzug):

Angeblich sollte untenstehender Text authentisch sein. Mir persönlich ist es egal, ob dies tatsächlich so passiert ist oder nicht. Die sehr genaue Vorstellung des unten beschriebenen Vorganges in meiner Phantasie reichte bei mir bereits für einen tränenbehafteten Lachanfall aus...

Als ich an dem Gebäude ankam, bemerkte ich, dass der Sturm eine Anzahl von Ziegeln vom Dach des Hauses getragen hatte. Ich ging also auf das Dach, und befestigte einen Flaschenzug am Dachbalken. Ich lies ihn runter und knotete das Seil unten fest. Ich tat neue Ziegel in den Flaschenzug und zog ihn zweimal voll beladen nach oben. Nach der Reparatur, waren noch eine Anzahl von Ziegeln übrig, mehr als eigentlich mit einem Mal hochgezogen wurden. Ich tat also die überflüssigen Ziegel wieder hinein, und ging nach unten.

Ich löste den Knoten...

Da ich aber nun viel leichter war als die Übervolle Kiste, kam sie runter und ich
schwebte hinauf. Auf halbem Wege begegnete ich der Kiste, die mir heftig an die Schulter stieß. In Folge der immer größer werdenden Geschwindigkeit kam ich sehr schnell oben an und stieß mir den Kopf am Balken während der Flaschenzug mir alle Finger zerquetschte. Die Kiste kam so schnell unten auf, dass der Boden heraussprang und die Ziegel durch die Gegend flogen. Da aber nun die jetzt leere Kiste viel leichter war als ich sauste ich hinab und sie hinauf, worauf sie mir das rechte Knie verbeulte. Ich kam sehr schnell unten auf den scharfkantigen Ziegeln auf, und verlor vermutlich die Besinnung, denn ich ließ das Seil los, und die Kiste fiel auf meinen Kopf.

Seit dem liege ich hier mit Ganzkörpergips im Krankenhaus und bitte um ein paar Tage Genesungsurlaub...

Mittwoch, 13. April 2005

Witz des Tages

Zum Ausgleich für die etwas ernsteren Geschichte im letzten Posting heute noch etwas Heiteres:


Meine Freundin und ich planen, zu heiraten. Meine Freundin ist eine
Traumfrau.
Da ist aber etwas, das mich beunruhigt: Ihre jüngere Schwester. Sie ist 20 Jahre alt, trägt Minis und weit ausgeschnittene T-Shirts. Immer wenn sie in meiner Nähe ist, gestattet sie mir Einblick in ihre Unterwäsche und in ihren Ausschnitt. Das macht sie bei niemandem sonst, nur bei mir.

Eines Tages rief mich die kleine Schwester an, um mit mir einen Termin abzumachen. Sie wollte über die Planung der Hochzeit und die Gästeliste sprechen. Als ich bei ihr ankam, war sie alleine zu Hause. Sie flüsterte mir
ins Ohr, sie wolle nur ein einziges Mal vor der Hochzeit mit mir schlafen.
Wirklich nur ein einziges Mal. Sie sei total scharf auf mich. Niemand würde
je davon erfahren, danach würde sie wieder die brave kleine Schwester sein.
Ich war total schockiert. Sie sagte, sie würde jetzt die Treppe hochgehen.
Wenn ich es ebenso wie sie wolle, solle ich ihr einfach ins Schlafzimmer
folgen. Oben angekommen warf sie mir ihr Höschen entgegen und erschwand im Schlafzimmer. Ich sagte kein Wort, verließ das Haus und ging zu meinem Auto.

Draußen tauchte auf einmal mein zukünftiger Schwiegervater auf, umarmte mich und sagte in Tränen: "Wir sind so glücklich, dass du unseren kleinen Test
bestanden hast. Wir können uns keinen besseren Mann für unsere Tochter
wünschen. Willkommen in der Familie".

Die Moral dieser Geschichte?
Bewahre deine Kondome immer im Auto auf...

Eine einfache Geschichte

Ich bin auf meinen Streifzügen durch die unendlichen Welten des Internets durch Zufall auf die Homepage eines Schizophrenen gestoßen und habe dort diese Kurzgeschichte gefunden. Es war kein Hinweis dabei, ob er sie selbst geschrieben hat, es könnte aber sein.
Sie ist zwar sehr lang (fast schon zu lange für ein Blog), aber trotzdem. Weil es unter die Haut geht.


Die große Wegkreuzung

Seit unendlichen Zeiten zieht die Erde ihre Bahn um die Sonne, empfängt Wärme und Licht. Und der Mond umkreist die Erde, spendet seine silbernen Strahlen, hebt und senkt die Meere.

Hoch oben in den Bergen wuchs ein Kind auf. Spielte sich in klarer Luft und auf sattgrünen Wiesen zur jungen Frau. Packte eines Tages ihr kleines Bündel und sagte zu ihren Vater und Mutter, daß sie gehen wolle, um das Meer zu sehen. Denn wehrend ihrer ganzen Jugend hatte sie sich nichts sehnlichster gewünscht, als einmal im Leben ihren Körper in das schäumende Meerwasser legen und auf den Lippen den salzig frischen Atem des Meeres spüren zu können.

Die junge Frau ging den vertrauten Weg hinab ins Tal. Aber sie hielt nicht in jenem kleinen Dorf, in dem sie immer ihre Milch verkauft hatte. Sie hielt auch nicht bei der kleinen Sennhütte, wo sie als Kind jedesmal einige Süßigkeiten und eine kalte, schaumig-gerührte Buttermilch bekommen hatte. Sie ging weiter. Weiter als sie je gegangen war an der Hand ihres Vaters. Sie ging, weil sie ein Ziel hatte. Sie wollte ihren Körper im schäumenden Meer baden und den salzig frischen Atem dieser endlosen Weite auf den Lippen spüren. Und so begleitete sie die kleinen Bergbäche, die aufgeregt über die Steine sprangen, suchte sich ihren Weg vorbei an wiederkäuenden Kühen hinunter ins Tal. Viele Menschen traf sie auf ihrem langen Weg. Oft wurde sie eingeladen, doch ein wenig auszuruhen und manchmal wurde ihr auch abgeraten, weiter zu gehen. Aber sie ließ sich nicht beirren. Sie nahm die Gastlichkeit dankbar an und ging weiter den Weg, den sie für sich gewählt hatte, weiter auf dem Weg, der sie zum Meer führen sollte. Eines Tages, sie war schon sehr müde, kam sie an einer großen Wegkreuzung. Der Weg, dem sie bisher gefolgt war, gabelte sich vor einem großen Gebirge in vier Pfade, von denen zwei links und zwei rechts um die Berge herumzuführen schienen. Die junge Frau wußte nicht weiter und setzte sich mitten auf die Kreuzung, um zu rasten, Brot zu essen und Wein zu trinken. So saß sie lange Zeit auf der Erde und konnte sich für keinen der vier Wege entscheiden. Jeder schien ihr ungewiß.

Eines Tages kamen Fremde an die Kreuzung und fragten die junge Frau, was sie denn hier mache.

„Ich bin unterwegs ans Meer“, gab sie Auskunft, „aber mein Weg endet hier. Nun weiß ich nicht, welche Richtung ich wählen soll.“

„Dann komm doch mit uns“, sagten die Fremden, „wir sind unterwegs in eine Stadt, die nur einige Stunden von hier entfernt ist.“

Aber die junge Frau wollte ans Meer, im warmen Sand sitzen, sich von der wilden Kraft der Wellen umschäumen lassen und den salzig frischen Atem des Meeres auf den Lippen spüren.

Sie bedankte sich bei den Fremden für das Angebot und blieb weiter auf ihrer Wegkreuzung sitzen. Wieder saß sie lange Zeit allein und konnte sich für keinen der Wege entscheiden.

Viele Tage später kam ein einsamer Wanderer und setzte sich zu ihr. Lange Zeit saß er bei ihr und erzählte, was er alles erlebt hatte auf seiner Wanderschaft, wo er schon überall gewesen war, und was er alles erfahren hatte. Er aß mit der jungen Frau Brot und trank mit ihr Wein. Oft saßen sie noch zusammen, um die Sonne hinter den hohen Bergen versinken zu sehen. Und irgendwann fragte er sie, ob sie nicht mit ihm kommen wolle. Er sei unterwegs zu einem Wald ganz in der Nähe, um dort zu jagen. Aber die Frau auf der Wegkreuzung sagte auch ihm, daß sie nicht in einen Wald, sondern ans Meer wolle.

Die Wochen vergingen, und mit ihnen wechselten die Jahreszeiten. Die Frau saß auf dem Platz zwischen den Wegen und sah den Wolken nach, die sich übers Gebirge jagten und bunte Blüten der Phantasie an den Himmel malten.

Eines morgens wurde sie von Fremden geweckt, die unterwegs zu Bauern waren. Sie fragten, ob sie nicht mitkommen wolle, um bei der Ernte zu helfen. Und weil die Frau schon so lange untätig dort gesessen hatte, entschied sie sich, dieses Mal mit den Fremden zu gehen. Sie kamen in ein kleines Dorf, und den ganzen Herbst half sie, die Ernte einzufahren. Es gefiel ihr gut bei den Bauern. Nur eine Sehnsucht blieb in ihr und wuchs und wuchs, während der Winter die Landschaft in stille weiße Träume verpackte.

Sie wollte ans Meer. Und deshalb packte sie an einem klaren Frühlingsmorgen ihr Bündel und sagte den freundlichen Bauern, daß sie wieder gehen wolle, denn sie sei unterwegs ans Meer.

Danach ging sie ihren Weg zurück, bis sie wieder an die große Kreuzung kam. Ratlos setzte sie sich. Wenn sie nur wüßte, welcher dieser Wege sie wählen solle, um endlich an das Ziel ihrer Sehnsucht zu kommen. Sehr lange saß sie an der Wegkreuzung, bis nach Wochen eine Frau kam, die unterwegs war in ein kleines Dorf. Sie wolle dort ihre Waren verkaufen, erzählte sie und fragte die Frau, ob sie nicht Lust hätte, sie zu begleiten. Und weil diese wußte, daß sie allein zu keinem Entschluß kommen würde, ging sie mit der fremden Frau in das kleine Dorf. Es gefiel ihr gut dort. Sie half Hemden und Hosen nähen und später auf dem Markt verkaufen. Aber immer blieb in ihr die Sehnsucht nach dem Meer. Eines Tages hielt sie es nicht mehr aus. Wieder packte sie ihre Habseligkeiten zusammen, verabschiedete sich von der Frau und wanderte zurück an jene große Kreuzung. Hier war ihr inzwischen alles schon so vertraut. Sie suchte sich wieder ihren alten Platz und machte es sich gemütlich. Dann saß sie dort, fast unbeweglich, eine lange, lange Zeit. Ihr Haar war inzwischen dünn und grau geworden. Ihr Rücken beugte sich immer mehr unter der Last der sich ständig wiederholenden Jahreszeiten. Noch immer wußte sie nicht weiter, konnte sich einfach nicht entscheiden, welcher dieser Wege sie denn nun wählen solle. Manchmal glaubte sie in stillen, schlaflosen, mondhellen Nächten ein leises, fernes Rauschen zu hören, als ob das Meer sie rufen würde. Und wenn der Nachtwind mit lauem Hauch von den Bergen strich, vermeinte sie sogar auf ihren Lippen einen zarten salzigen Geschmack spüren zu können.

Es war eine solche Nacht, als sie sich entschloß, einfach die Berge hinaufzusteigen. Die Wanderung war sehr beschwerlich. Durch beängstigend verwirrende Felsengärten, dichtes Unterholz und über steil abfallende Grade führte ihr Weg nach oben. Höher und höher stieg sie bei ihrer einsamen Wanderung. Nachts war es längst nicht mehr so warm wie unten an der großen Wegkreuzung. Sie fror und kauerte sich oft hilflos an den nackten, kalten Fels. Manchmal glaubte sie auch, ihre Kraft würde nicht ausreichen. Immer schwieriger schien es, sich die steilen Hänge emporzuquälen, um wieder feststellen zu müssen, daß hinter dem eben erklommenen Gipfel der nächste auf sie wartete.

Und dann endlich- sie hatte schon fast nicht mehr daran geglaubt- stand sie ganz oben. Der Wind packte ihr langes, graues Haar, zerwühlte es mit klammen Fingern und riß an ihrer Kleidung. Sie öffnete den Mund, um diese Gewalt in sich hineinzusaugen. Erschöpft und keuchend atmete sie gegen den Wind. Und endlich öffnete sie ihre Augen und blickte sich um. Der Ausblick überwältigte sie. Tief unten entdeckte sie, ganz klein jetzt, die Wegkreuzung, auf der sie so lange gesessen hatte. Sie sah die vier Pfade, die sich dort unten verzweigten. Der eine führte in eine große Stadt, direkt auf den Marktplatz und darüber hinaus. Der andere schlängelte sich durch einen dichten Wald, nahe an ein kleines Häuschen. Aber auch der endete dort nicht. Der dritte war ihr bekannt: Er wand sich in das Tal zu den Bauern, denen sie bei der Ernte geholfen hatte, kletterte dann über einige kleine Hügel und führte weiter in eine fruchtbare Ebene. Und der vierte traf auf jenes kleine Dorf, in dem sie Hemden und Hosen geschneidert hatte. Doch auch dieser zog durch das Dorf hindurch und weiter.

Die alte Frau stand auf dem Gipfel des Berges und zitterte. Die vier Wege trennten sich vor dem Gebirge, umringten es und nährten sich einander in einer weiten Ebene, vereinigten sich und setzten ihre Reise fort bis zum Meer, in dem sich weit entfernt der Horizont zu spiegeln schien. Die alte Frau saß hoch oben auf den Felsen, die vor ihr steil abbrachen und dort hinten, jenseits der Ebene, verlor sich ihr suchender Blick in die Unendlichkeit des Meeres. Je länger sie schaute, um so deutlicher glaubte sie das schäumende Wasser zu sehen. Sie meinte fast die tosende Kraft der Wellen zu spüren, die weit vor ihr in die zerfurchten Klippen schlugen und zersprangen. Aber sie konnte nichts hören, so weit weg stand sie, hoch oben auf dem Gipfel und wußte, sie hatte nicht mehr die Kraft zurückzugehen an jene große Wegkreuzung, wo sie so lange gesessen hatte. Zurück, um irgendeinen Weg zu wählen, der sie ans Meer bringen würde. Sie hatte keinen dieser Wege gewählt, war keinen bis zum Ende gegangen. Erst hier, oben auf den Felsen, erkannte sie, daß jeder dieser Wege ans Meer geführt hätte. Und plötzlich wußte sie: Niemals in ihrem Leben würde der salzig frische Atem grenzenloser Weite ihre Lippen netzen. Und niemals in ihrem Leben würde sie das wildschäumende Wasser des Meeres auf ihrem Körper spüren.

Carpe Diem

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