der "vergessene" Diktator

Kürzlich sah ich im History-Channel eine Dokumentation über den sowjetischen Diktator Josef Stalin. Natürlich wusste ich vorher, wer er war. Ich wusste auch, dass er in der Geschichtsschreibung als brutaler Machtmensch gilt.

Aber diese Dokus zeigten mir die Dimension seines Wütens... um nur ein paar "Highlights" zu erwähnen. Der Mann, der nach heutigem medizinischen Wissensstand als hochgradiger Paranoiker diagnostiziert werden würde, gilt in einem Artikel des Spiegels als der prägendste Diktator des 20. Jahrhunderts.... trotz starker Konkurrenz. Es gibt nur grobe Schätzungen, wie viele Menschen direkt oder in Folge seiner Befehle ums Leben kamen.... da wären mal die 6 Millionen verhungerten Ukrainer, bei den Gulags schätzt man für den Zeitraum von 1918-1991 mit 39 Millionen Gulag-Toten, etliche Millionen Kriegsgefangene und dazu kommt noch die eine oder andere 2-stellige Millionen-Zahl, die unter "Sonstiges" fällt. Gegen solche Zahlen sehen andere zeitgenössische "Berufskollegen" geradezu wie Amateure aus.

In erster Linie liegt das daran, dass Stalin fast 30 Jahre!! lang an der Macht war und ungehindert wüten und morden konnte (1924-1953).


Ich frage mich warum ein Diktator von einer derartig zerstörerischen Dimension und kriminellen Energie heute kaum mehr in den internationalen Medien Erwähnung findet und nur mehr im geschichtlichen Zusammenhängen erwähnt wird.
Also sprach derbaron
am Donnerstag, 14. Mai 2009, 13:10 wie folgt:

Vielleicht, weil es hierzulande (und wir sprechen doch von Österreich - ich denke Russland muss seine Geschichte erst aufarbeiten) kaum jemanden gibt, der Stalin eine Träne nachweint und auch kaum jemanden, dem es in den Sinn käme, Stalinismus gesellschaftsfähig zu machen.

Ganz im Unterschied zu einem derzeit massiven Erstarken der rechtsextremen Szene, die sich dank jahrelanger Bearbeitung des Themas durch die FPÖ wieder aus dem Untergrund herauswagt und die in Herrn Hitler immer noch ihren Helden gefunden hat.

PeZwo - 14. Mai, 13:18

das betrifft nicht nur Österreich oder Russland... auch in der sonstigen großen weiten Welt ist er kein Thema, nicht mal als schlechtes Beispiel wird er herangezogen.
derbaron - 14. Mai, 13:36

Weil es bezüglich seiner Grauslichkeiten einen gesellschaftlichen Grundkonsens gibt? Ich kann nur von Österreich (sagen wir "dem Westen") sprechen, dort mag Stalin kein Thema sein, weil eben keinem in den Sinn kommt, irgendwelche seiner Taten beschönigen, rechtfertigen oder verharmlosen zu wollen, verbunden mit dem Zweck, seiner Ideologie Anhänger zuzutreiben. Deshalb kann man ihn eben hierzulande als Geschichtsperson ad acta legen. Ich weiss nicht, ob Stalin nicht ein Thema im ehemaligen Osten ist, dazu hab ich dort zu wenig Einblick. Wenn nicht, wird er dort irgendwann sicher ein Thema werden müssen.

Auch mit Hitler könnte man eigentlich als Geschichtsperson abschliessen, wenn dessen Ideologie nicht ständig durch irgendwelche "Fangruppen" gepusht würde und wenn es nicht gerade heute wieder zu fremdenfeindlichen, rassistischen, antiislamischen und sogar wieder antisemitischen Übergriffen käme.

Wozu soll sich unsere Gesellschaft mit diesem grauenvollen Diktator beschäftigen, dessen kranke Ideen in unserer Gesellschaft sowieso keinen Platz haben, wenn es auf der anderen Seite ein massives Problem mit dem Rechtsextremismus gibt?
PeZwo - 14. Mai, 13:55

Ja, Hitler ist ein permanentes Thema, nicht nur bei uns... auch in den internationalen Medien.... unabhängig von der jeweiligen politischen Gesinnung. Ich habe in dem Beitrag über Stalin ganz bewusst jeglichen direkten Zusammenhang mit ihm vermieden, trotzdem war er in der Argumentation sofort präsent.
Also sprach schlafmuetze
am Donnerstag, 14. Mai 2009, 20:40 wie folgt:

Ich denke mal, es ist gar nicht bekannt ..

wie viele Opfer auf Stalins Konto gehen.
Zu seiner Zeit war die Berichterstattung nicht so einfach; zudem ist Russland riesig groß.
Gegen Ende seiner "Regierungszeit" hatte er schon starke Konkurrenz aus good old Germany. Dort haben die Berichterstattungen der Alliierten - mit Filmmaterial - und die Nürnberger Prozesse vermutlich dafür gesorgt, das Stalin etwas zu kurz kam. Zudem hatte er sich ja auch gegen Hitlers Krieg zu wehren und durfte erstmal auch als Opfer in Erscheinung treten.
Ich muß zugeben, das auch mir nicht bekannt war, was der alles auf dem Kerbholz hatte.
Grüßli :-)

PeZwo - 19. Mai, 06:45

ja, Stalin hätte sich mehr geschichtliche Aufmerksamkeit verdient, er hatte sich wahrlich redlich bemüht.... seine Opferzahlen sind im letzten Jahrhundert unerreicht.
Also sprach steppenhund
am Mittwoch, 20. Mai 2009, 20:50 wie folgt:

Ich kann mich an Berichte erinnern, die nicht allzu lange her sind, in denen Stalin durchaus noch auf russischem Boden akzeptiert und verehrt wurde.
Ich glaube, das dies mit dem Umstand einher geht, dass in Russland die Intelligentsia ja systematisch ausgerottet wurde und daher ein propagandistisches Regime wesentlich stärker in den Köpfen der Menschen verankert wird.
Stalin wird allgemein nicht als der Verbrecher gesehen. Es wurde schon gesagt, dass er ja auch die Opferrolle gegenüber Hitler gut spielen konnte.
Die Zahl 6 Millionen finde ich verblüffend. Die kommt ja in Verbindung mit Hitler auch vor.
Übrigens möchte ich gar nicht wissen, welche Größenordnungen die Zahlen im kommunistischen System Chinas haben.

PeZwo - 21. Mai, 00:20

Ich denke, dass du zu Russland eine stärkeren Bezug hast als der Durchschnittsösterreicher... daher ist deine Meinung für mich besonders interessant.

Innerhalb von Russland ist diese Haltung für mich noch in einem Rahmen, den ich mir vorstellen kann. Nicht verstehen tue ich aber die geschichtliche Ignoranz der Weltöffentlichkeit gegenüber von Stalin.
steppenhund - 21. Mai, 09:13

Da stimme ich dir vollkommen zu.

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