Politik

Montag, 12. Januar 2009

Machtwechsel

Nur noch ein paar Tage und der wahrscheinlich schlechteste Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten ist dann selbst Geschichte. Ich habe mich in den letzten Jahren oft genug kritisch über Amerika geäußert, aber in dem Beitrag werde ich jetzt ganz bewusst etwas Positives schreiben.

Das Land liegt darnieder, eine gigantische Wirtschaftkrise lässt die Menschen verarmen, die Infrastruktur ist veraltert, der Ruf in der Welt ist nachhaltig massiv beschädigt, von der Supermacht USA ist nach den Bush-Jahren nicht mehr viel übrig. Aber eines muss man den Amerikanern lassen. Immer wenn es ihnen wirklich schlecht geht sind sie in der Lage aus eigener Kraft den zerstörerischen Kurs zu verändern. Man muss sich das mal vorstellen. Im Land des Ku-Klux-Klan, wo der Rassismus gegen Farbige noch vor 40 Jahren offen gelebt wurde und heute, nur mangelhaft versteckt immer noch existiert, wird ein Mischling zum Präsidenten gewählt, der Barack Hussein Obama heißt. In dem Namen befinden sich sogar 2 Assoziationen mit klassischen Todfeinden. Dennoch hat sich dieser Mann gegen die Familie Clinton und einen waschechten weißen Kriegs- und Nationalhelden durchgesetzt. Nicht nur knapp, sondern sogar deutlich.

Seine Signale "Change" und "Yes We Can" hatten offensichtlich den Nerv der Nation getroffen. Trotz aller Kritik von meiner Seite an diese Nation bewundere ich den Optimismus der Amis in schlechten Zeiten. Sie können Sieger so richtig feiern und senden der Welt gerade die Signale einer massiven Aufbruchsstimmung.... "uns geht's zwar derzeit Scheisse, aber wir kommen wieder zurück". Um diese positive Grundhaltung mitten in der Krise beneide ich die Amerikaner. Ich vermisse dies in Europa und ganz besonders in Österreich. Hier gilt generell der Wahlspruch: "nichts wird weniger verziehen als Erfolg zu haben". Uns könnte es noch so schlecht gehen, ein optimismusversprühender Türke der 3. Generation mit dem Namen Ümit Özcgan hätte trotzdem nicht die geringste Chance zum Präsidenten oder Bundeskanzler gewählt zu werden.

Das gehört zu jenen Punkten, die man sich von den Vereinigten Staaten trotz allem Fehlverhalten dennoch abschauen kann.

Montag, 15. Dezember 2008

Schuss nach hinten?

Vorhin lief in ORF2 ein Beitrag über das immerwährende Thema der Abschiebung von der Flüchtlingsfamilie Zogaj. Die Reporter besuchten die jüngeren Kinder, die seit September 2007 im Kosovo wohnen. Nun sollen sie über ein Schülervisum regulär nach Österreich geholt werden.

Ob die zwei Frauen und zwei Kinder in Österreich sind oder nicht, sollte für den Staat normalerweise nicht den geringsten Unterschied darstellen.... wäre da nicht das eigentliche Problem. Der Fall wurde damals im September 2007 von verschiedenen hilfsbereiten Mitbürgern und so manchen Gutmenschen zum Symbol hochstilisiert. Die politisch linke Reichshälfte hat ihn zum Anlass genommen den Aufstand gegen die ihrer Meinung nach ungerechten Asylgesetze geprobt (eine gefährliche Sache wie ich hier und hier schon mal geschrieben habe). Der Fall um diese Abschiebung ist zum politischen Schlachtfeld zwischen den verschiedenen politischen Lagern geworden und seine große Bedeutung liegt darin, dass sein weiterer Verlauf als Präzedenzfall viel Gewicht für künftige ähnliche Schicksale haben wird.

Wer immer im ORF (medienpolitisch sehr wirksam knapp vor Weihnachten!) diesen Beitrag verfasst hat... möglicherweise hat er damit der Mutter keinen guten Gefallen getan. Er könnte - so fürchte ich - eher kontraproduktiv wirken. Der übertrieben rührseligen Stil, in dem er verfasst wurde, sollte wohl die Behörden mit Hilfe der Bevölkerung emotional unter Druck setzen und die Entscheidung über die Kinder in ihrem Sinne beeinflussen und beschleunigen. Aber die Gefahr, dass sich die Menschen dadurch eher manipuliert fühlen werden, ist groß.

Der Fernsehbeitrag war sicher gut gemeint... aber gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut getan. Er könnte sich als ein Schuss nach hinten herausstellen.

Sonntag, 23. November 2008

politische Lemminge?

H.C. Straches Reaktion auf die Meldung der seit heute beschlossenen Neuauflage der großen Koalition war wegweisend für die künftige logische Oppositionsstrategie: "die Koalition der Verlierer".

Ich sag's gleich, ich halte die Neuauflage der GroKo für gar keine gute Lösung. Was hat sich durch die Neuwahlen verändert, abgesehen von der Stärkung des rechten Lagers? Die zwei neuen Vorsitzenden hätte man auch ohne Neuwahl installieren können. Gut, die können angeblich besser miteinander als Gusi/Molterer. Aber die jeweilige Parteibasis ist immer noch die Gleiche. Und da existiert ein tiefsitzendes gegenseitiges Misstrauen gegenüber dem Regierungspartner, was in diversen Standard- und ORF-Foren und sogar hier in TWODAY an diversen negativen, hämischen und teilweise schon gehässigen Beiträgen erkennbar ist.

Nicht nur die Opposition, ganz Österreich wird ab jetzt drauf warten und lauern, dass die Streitigkeiten neu beginnen. Wenn man sich die ideologischen Gräben zwischen den beiden politischen Lagern ansieht und parallel dazu die gegenseitige negative Grundstimmung der Funktionäre berücksichtigt muss man kein Prophet sein um vorherzusagen, dass die Warterei nicht umsonst sein wird.

Durch diese erneute Zusammenarbeit kommt nun die ÖVP in eine Loose-Loose-Situation. Schon in den letzten Wochen wurden die Schmutzkübel in erster Linie über sie ausgeleert. Die SPÖ hatte zwar den Regierungsauftrag und somit die Verantwortung, aber in der Praxis machte man nicht sie sondern die ÖVP dafür verantwortlich wenn es sich spießte.... Stichwort "unverantwortliche Blockierer" Und in diesem Ton wird es weitergehen. Niemand wird es ihnen positiv anrechnen nun doch in die GroKo gegangen zu sein und somit eine verhältnismäßig schnelle Regierungsbildung ermöglicht zu haben. Wenn es wirklich nicht mehr zwischen Rot/Schwarz klappt, wird man dies der ÖVP anlasten und es wird heißen: "selbst schuld, es hat euch niemand zur Koalition gezwungen".

Ich glaube auch nicht dass es die Roten endlich begreifen, dass ihr politischer Gegner nicht der Regierungspartner sondern die Blauen sind. Wenn die ÖVP ihre eigene ideologische Linie verfolgen möchte, werden sie den Schwarzen sofort wieder das Blockierer-Mäntelchen umhängen. Gleichzeitig werden sie gegen H.C Strache ihre "altbewährte" Strategie aus Vranitzky's Zeiten weiter verfolgen... völlig ungeachtet der Tatsache, dass die FPÖ seit 1986 unter roter Bundeskanzlerschaft noch bei jeder Wahl zugelegt hat. Sie werden die Strategie so lange verfolgen bis irgendwann ohne die FPÖ gar keine Regierung mehr möglich ist oder der H.C. überhaupt gleich den Regierungsauftrag erhält. Und dann werden die Probleme für die SPÖ und auch für Österreich erst so richtig losgehen.



Ich wäre an Stelle der ÖVP nicht in diese GroKo gegangen und ich glaube auch nicht, dass die heutige Einigung innerhalb der ÖVP ohne Widerstand über die Bühne gehen wird. Da kommt noch was.

Mittwoch, 5. November 2008

Mr. Präsident Obama

Ich schaue gerade die Siegesrede von Barack Obama, dem künftigen ersten farbigen Präsidenten der USA. Er hat es doch geschafft, es wurde ein deutlicher Sieg und ich denke dass das Land richtig gewählt hat.

Ich gratuliere ihm und werde jetzt versuchen noch etwas zu schlafen, bevor ich mich wieder in die Arbeit gegeben werde.

Montag, 27. Oktober 2008

Countdown

Noch eine Woche, dann ist in den U.S.A der Election-Day.

Es ist nach wie vor enorm spannend. Unter normalen Umständen gäbe es keinen Zweifel mehr, dass Barack Obama bei dem Vorsprung das Rennen machen wird. Er hat den ganzen Wahlkampf keinen einzigen schweren Fehler gemacht, er scheint die Menschen inspirieren zu können und der republikanische Gegenkanditat ist wahrlich kein übermäßig charismatischer Mensch... ganz zu schweigen von seiner amateurhaften Vizepräsidentin.


Was viele - und so auch mich - dennoch zweifeln lässt ist die Tatsache, dass er der erste farbige Präsident wäre. Ist in Anbetracht der derzeitigen Probleme der Leidensdruck der Amis wirklich schon so dramatisch, dass sie sogar einen Schwarzen zu ihren Staatsoberhaupt wählen würden? Zur Verdeutlichung meiner Bedenken: das wäre so als würde bei uns ein Türke der dritten Generation für den Bundespräsidenten kandidieren und auch gewählt werden.

Wobei ein amerikanischer Präsident names Barack Obama das Beste wäre, was Amerika passieren kann. Dieser Schritt würde der Welt dokumentieren, dass nach den finsteren 8 Bush-Jahren die Nation bereit ist wieder neue Wege zu gehen und bei dieser Gelegenheit über ihren eigenen Schatten gesprungen ist.


Ich werde mich jetzt aus dem Fenster lehnen und prophezeien, dass Barack Obama nicht nur gewinnen sondern sogar einen regelrechten Erdrutschsieg erringen wird. Wettet wer dagegen?

Donnerstag, 23. Oktober 2008

willkommene Ablenkung?

Vorhin lese ich auf der ORF-Seite zwei Artikel:

1.) die Einäscherung Haiders wurde verschoben. Es gibt von der Witwe offensichtlich Zweifel an der offiziellen Behördenversion.

2.) der Fall Natascha Kampusch wird neu aufgerollt.



Ich glaube, dass Rot/Schwarz soeben die Chance erhält in den nächsten Wochen nahezu unbeobachtet eine neue Regierung bilden zu können.

Sonntag, 19. Oktober 2008

Jörg Haider, Klappe die Letzte

Gestern war das Begräbnis, gerade spricht Stefan Petzner in der Ö3-Radiosendung "Frühstück bei mir".... und ich möchte noch einmal und zum letzten Mal über dieses Thema schreiben.


Es wurde in dieser Woche wieder einmal sehr viel über Jörg Haider analysiert und das meiner Meinung beste Interview zu diesem Thema las ich im Standard. Ich stimme Peter Pelinka in großen Teilen zu (da der Standard seine Artikel nach einiger Zeit ins kostenpflichtige Archiv stellt, habe ich es am Ende des Beitrages hereinstellt).

Ich bin so wie Peter Pelinka der Meinung, dass die Medien ihn viel zu ernst genommen haben. Sie haben ihm erst die Bedeutung gegeben, die sie ihm dann zugeschrieben haben. "Kein Schauspieler spielt ohne Publikum". Jörg Haider war kein Schauspieler sondern Vollblutpolitiker... er hat aber die Medien wie ein Schauspieler für seine Zwecke benutzt und mit ihnen gespielt. Schon Harald Juhnke wusste, dass für Personen deren Erfolg mit der Öffentlichkeit gekoppelt ist gilt: "es ist egal wie die Medien über dich schreiben, Hauptsache sie schreiben". JH wusste sich durch (ich behaupte großteils gezielte) Provokationen und Widersprüchlichkeiten interessant zu machen, er hat die Medien für seinen Bekanntheitsgrad sehr geschickt genutzt und sie sind ihm alle auf den Leim gegangen. Allerdings machte er den Fehler, dass er manchmal die Distanz verlor und speziell bei den Provokationen manchmal überzog. Diese Schwäche verhinderte auch, dass er bis ganz hinauf kam.


Die politischen Gutmenschen und Journalisten, die ihn so lange ohne Erfolg bekämpft haben, hören es nicht gerne, dass sie einen großen Anteil an der Bedeutung von JH haben. Er war in seinen Strategien je nach Situation und Zeitgeist immer flexibel und schwer berechenbar.... seine Gegner waren in ihrem Verhalten und Argumenten eher starr und daher leicht auszurechnen... und deswegen scheiterten sie. Es gibt aber für sie keinen Grund zur Traurigkeit, auch die Medien profitierten von JH... sie hatten durch ihn immer genug schreiben und wohl auch genug verdient.

Aber jetzt wäre es an der Zeit für seine politischen Gegner von JH loszulassen und sich der Zukunft zuzuwenden. Mal schauen, ob dies auch passiert. Ich habe da so meine Zweifel... schießlich war er ein viel zu dankbares Thema um es so einfach fallen zu lassen.



Hier noch das oben erwähnte Interview mit Peter Pelinka:

Pelinka: "Medien haben Haider zu ernst genommen"
Jörg Haider habe alte Inhalte mit neuem Stil versehen, sagt Anton Pelinka - Über Haiders Metamorphosen, seine Versatzstücke aus der Nazizeit und die apportierende Medienmeute sprach der Politologe im STANDARD-Interview

STANDARD: In den Nachrufen wird Haider als Ausnahmeerscheinung gewürdigt. Was war das Besondere an ihm?

Pelinka: Haider hat alten Inhalt mit neuem Stil versehen. Einerseits stand er für die Tradition des Deutschnationalismus, für die Neigung, den Nationalsozialismus zu exkulpieren. Andererseits hat er ein hohes Maß an Unterhaltung in die Politik eingebracht. Die Medien liebten Haider nicht seiner Inhalte wegen, eher im Gegenteil, viele haben kritisch berichtet. Aber sie haben ihm, dem Unterhalter, erst seine große Bedeutung verliehen.
Standard: Haben sich die Medien falsch verhalten?
Pelinka: Die Medienmeute hat alles apportiert, was ihnen Haider vorlegte. An einem Tag stilisierte er sich zur Inkarnation Margret Thatchers, am nächsten Tag zum Erben Bruno Kreiskys - und immer waren das Big News. Die Medien haben Haider zu ernst genommen.

STANDARD: Wie hätte die Öffentlichkeit denn sonst auf Haider reagieren sollen?

Pelinka: Mein Vorbild ist Frankreich. Der Rechtspopulist Jean-Marie Le Pen hat zwar seine gesetzlich vorgeschriebenen Auftritte als Kandidat bei Präsidentschaftswahlen, ansonsten wird er von den Medien und anderen Parteien aber rechts liegengelassen, nach dem Motto: Mit einem Schmuddelkind geben wir uns nicht ab. Speziell die Gaullisten haben einen "cordon sanitaire" um ihn gebildet. Als ernstzunehmender Faktor in der Politik war er damit erledigt. Jacques Chirac hat Le Pen wirklich gezähmt - und nicht Wolfgang Schüssel den Haider.

STANDARD: War das Spiel mit den Medien sein wichtigstes Erfolgsgeheimnis?

Pelinka: Ich glaube schon. Denn inhaltlich war Haider nur originell, was das Ausmaß seiner Widersprüche betraf. Dieses Aufrechnen nationalsozialistischer Verbrechen mit dem Bombardement Dresdens und anderen Ereignissen war nicht besonders neu - ebenso wenig die Fremdenfeindlichkeit.

STANDARD: Tatsächlich? Eröffnete Haider da nicht neue Dimensionen?

Pelinka: Das schon. Doch das Phänomen gab es davor auch schon, angefangen bei Karl Lueger, der ja nicht nur Antisemit war, sondern auch gegen die slawische Bevölkerung gewettert hat. Haider hat die Fremdenfeindlichkeit nicht erfunden, sondern neu instrumentiert, modisch gemacht, in die Discos gebracht - und durch seine Übertreibungen sicherlich auch verstärkt.

STANDARD: Was bleibt sonst von Haider? Hat er die Republik verändert?

Pelinka: Ich glaube nicht. Ich halte es da mit Peter Turrini, der Haider als den "Übertreiber der Großparteien" bezeichnet hat. Er hat eigentlich mehr verdeutlicht, wie die Republik im Inneren aussieht. So typisch es war, wie er entgegen dem Urteil des Verfassungsgerichtshofes neue zweisprachige Ortstafeln verhinderte - seine Vorgänger von SPÖ und ÖVP haben das Gleiche getan. Haider hat freilich eine Show daraus gemacht, Ortstafeln versetzt, was die Medien groß gebracht haben. Er machte Haltungen wie Fremdenfeindlichkeit, die nach 1945 eher unterschwellig vorhanden waren, wieder salonfähig.

STANDARD: Brachte sein Kampf gegen Filz und Proporz nicht auch positive Resultate?

Pelinka: Na ja. Als Haider seine durchaus legitime Kampagne begonnen hat, war der Höhepunkt des Proporz schon vorbei. Die Privatisierungswelle, die in den Achtzigerjahren eingesetzt hat, entzog der Praxis, sämtliche Posten bis herunter zur berühmten Putzfrau zwischen SPÖ und ÖVP aufzuteilen, die Grundlage. Und wenn ich mir die Ämterbesetzung in Kärnten ansehe, bin ich skeptisch, ob sich das qualitativ von dem unterscheidet, was Haider stets kritisiert hat.

STANDARD: Und der Kampf gegen Politikerprivilegien?

Pelinka: Auch da hat er eine Stimmung gut aufgenommen und verstärkt. Aber Copyright Jörg Haider war das alles nicht. Diese Kritik kam immer auch von der Linken, etwa der kommunistischen Partei, die in Graz damit sogar wieder Erfolg hat. Den entscheidenden ersten Schritt hat der Nationalrat 1983 selbst gesetzt, als einige auffallende Privilegien von Politikern gestrichen wurden.

STANDARD: Wie kam es zu Ihren persönlichen Konflikten mit Haider?

Pelinka: Haider hat zwei Strafprozesse gegen mich geführt. Beide habe ich rechtskräftig gewonnen.

STANDARD: Worum ging es da?

Pelinka: Haider hat mich wegen angeblicher Verleumdungen in Interviews mit RAI und CNN geklagt. Beide Male habe ich Analogien zum Nationalsozialismus gezogen. Ich habe dabei immer betont: Haider sei kein Nazi, verwende aber Versatzstücke aus dieser Zeit, etwa wenn er die Zahl der Arbeitslosen mit Ausländern gleichsetzt, was die Nazis mit den Juden auch getan haben. Haider war da empfindlich, vor den Prozessen zeigte er sich siegessicher. Er wusste, dass die österreichische Justiz hier eine Urteilspraxis hatte, die jener des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrecht widerspricht: Man darf einen Politiker ein Arschloch, einen Gauner, einen Kommunisten nennen - aber keinen Nazi.

STANDARD: Warum verwendete Haider diese Versatzstücke?

Pelinka: Das hing zweifellos mit seiner Prägung zusammen. Ich bin sicher, dass ihm sein Satz über die "ordentliche Beschäftigungspolitik" im Dritten Reich herausgerutscht ist, das war nicht gezielt. Das kam aus seinem Milieu und natürlich aus seinem Elternhaus. Ich glaube nicht, dass Haider dieser Ideologie angehangen ist, aber er hat sich offenbar nie ernsthaft mit dem Nationalsozialismus auseinandergesetzt. Es geht bei Haider nicht um Neonazis, es geht um Verschlampung bei der Grenzziehung.

STANDARD: Ein Blick in die Zukunft: Wird sein Tod die politische Landschaft verändern?

Pelinka: Ich glaube schon. Haider war der Angelpunkt der Strategie, eine Neuauflage des Pakts von 2000 zu schaffen. Die Wahrscheinlichkeit einer schwarz-blau-orangen Koalition ist nun viel geringer geworden. Haider wollte auf jeden Fall in die Regierung, weil er wieder zum Faktor in der Bundespolitik werden wollte. Das Hindernis ist Strache, der offenbar nicht wirklich in eine Koalition will. Kaum gab es Signale aus der ÖVP, hat er mit unerfüllbaren Bedingungen schnell alles zerstört. Ohne Haiders Druck auf FPÖ-Funktionäre wird Strache kaum einlenken.

STANDARD: Und die Chance auf eine blau-orange Wiedervereinigung?

Pelinka: Auch dieses Arrangement halte ich nun für weniger wahrscheinlich als vor Haiders Tod.

STANDARD: Warum? Strache braucht doch jetzt den Rivalen Haider nicht mehr zu fürchten.

Pelinka: Ohne Haider kämpft das BZÖ ums Überleben. Strache, Mölzer und Co werden sich wohl denken: Was sollen wir mit denen noch groß reden? (Gerald John/DER STANDARD-Printausgabe, 14.Oktober 2008)

Sonntag, 12. Oktober 2008

ein kleiner persönlicher Nachruf

Ende der 90-er Jahre, als Jörg Haider am Höhepunkt seiner Macht war, tat ich mal den Ausspruch: "ich glaube ich bin einer der wenigen Menschen in Österreich, die Haider neutral und unaufgeregt gegenüberstehen."

Er, das Maß aller österreichischen Politik-Polarisierer, regte mich nie besonders auf... weder in der einen noch in der anderen Richtung. Ich bewunderte seine Fähigkeit Menschen zu begeistern und zu mobilisieren und war immer wieder darüber erstaunt wie er sich manchmal selbst im Wege stand. Manchmal teile ich seine Meinungen, manchmal schüttelte ich verständnislos den Kopf und einmal - ich glaube das war 1994 oder 1995 - wählte ich ihn sogar... als reiner Protestwähler gegen den mir zutiefst unsympathischen Franz Vranitzky.

Ich beobachtete über Jahre hinweg wie seine politischen Gegner immer wieder versuchten ihn mit der Nazi-Keule zu bekämpfen und meist kläglich scheiterten. Ich habe ihn nie als Rechtsextremisten oder sogar als Nazi gesehen. Ja, er war ein Rechter, ein rechter Populist. Aber nur weil er Rechts war, war er nicht automatisch gleich jener Nazi, dessen Mäntelchen man ihm so gerne umhängen wollte.

Sein großer Traum war der Job des Bundeskanzler und er hätte auch das Zeug und die Chance dazu gehabt... nicht wenige Journalisten sind davon überzeugt: hätte er 1999 Rot/Schwarz weiterwursteln lassen, dann hätte die FPÖ nach der nächsten Wahl sehr gute Chancen gehabt stimmenstärkste Partei zu werden. Anstelle dessen machte er Wolfgang Schüssel zum Bundeskanzler und gab die Parteiführung an Ries-Passer ab. Erst vor ein paar Wochen bezeichnete er es als seinen schwersten Fehler sich damals aus der Führung zurückgezogen zu haben.

Er hat viele Kämpfe mit Berufskollegen, Journalisten und Gerichten ausgefochten, viele davon gewonnen aber mit Wolfgang Schüssel hat er so was wie seinen politischen Meister gefunden, wie ich bereits einmal schrieb.

Aber trotz seiner schillernden Persönlichkeit war er in aller erster Linie ein Politiker. Er war nicht ein Mensch dessen Beruf Politik war, er war ein Politiker... rund um die Uhr. Das wird nicht nur von seinen Fans anerkannt, auch jene die ihn bekämpft haben gestehen, dass sie ihn teilweise auch bewundert haben. Und nun wird oft kolportiert dass er gestorben ist wie er gelebt hat: viel zu schnell unterwegs. Adieu Jörg Haider.

Mittwoch, 8. Oktober 2008

Übersee TV-Duell

Ich habe mir heute früh das zweite TV-Duell zwischen Barack Obama und John McCain angesehen.... und ich kann mir nicht helfen... ich kann mir nicht vorstellen dass der hölzerne McCain noch irgendeine Chance gegen den eloquenten Obama hat.

Nicht nur wegen McCains hohen Alter, oder wegen der nicht recht glücklichen Wahl der Vizepräsidentin Sarah Palin, oder wegen der Wirtschaftskrise... Barack Obama wirkt einfach gelassener, wie jemand der ein Führer ist... und nicht wie einer der es sein will...

Freitag, 3. Oktober 2008

Politisches Déjà-vu

Ich habe mir vorhin den dieswöchigen Leitartikel von Profil durchgelesen.


Sie bringen 4 Gründe für das Wiedererstarken der Rechten auf das Niveau von 1999.

1) die sehr schwache Performance der GroKo. Ja, da stimme ich zu. Die war 1999 schon schlecht und die letzten 18 Monate noch schlechter und wohlgemerkt immer unter roter Bundeskanzlerschaft.

2) den Hang der Österreicher zum Populismus. Hmmm... wenn ich da an die Achse Dichand - Faymann denke, hält sich da sicherlich politisch einiges in der Waage.

3) Reflexartig wird wiedermal Wolfgang Schüssel für alles verantwortlich gemacht. Ok, das ist man schon gewohnt. Sie werden es ihm nie verzeihen, dass er ihnen bewiesen hat dass nach 30 Jahre den Kanzlerstellen immer noch keinen Gewohnheitsanspruch auf den Job abgeleitet werden kann.

So richtig auf die Palme brachte mich aber der vierte Punkt. Ich zitiere wörtlich: Die Spaltung der heillos zerstrittenen Freiheitlichen führte nicht zu deren Niedergang. Im Gegenteil. FPÖ und BZÖ – das erste erfolgreiche Klonen von Parteien. Doppelte Spitzenkandidaten, doppelter Populismus, doppelte Stimmen.

Könnt ihr nicht rechnen, ihr blöden Idioten?!?! Hätten sie sich damals nicht gespalten, dann wäre die FPÖ jetzt nicht die dritt stärkste sondern die zweitstärkste Partei, ganz knapp dahinter und könnte genauso gut nächste Woche den Regierungsauftrag erhalten! Wir können alle froh sein, dass sie nicht als eine Partei gemeinsam auftreten sondern das Ego von H.C. Strache das Ausspielen der vollen politischen Stärke der Rechten verhindert. Möge Straches Machtstreben diesen Zustand noch lange aufrecht erhalten.Schließlich geht es um seinen Job. Würde Haider zur FPÖ zurückkehren, wäre er den Parteichefjob bald los.


Jetzt geht diese Permanent-Suderei der Moralisten wieder los. Zum Kotzen.

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